Dänemark · Deutschland · Ostsee

Zwei Fährverbindungen, die den Ostseekorridor zusammenhalten

Zwischen den dänischen Inseln und dem deutschen Festland endet die Straße im Wasser. Zwei Überfahrten machen daraus wieder eine durchgehende Route: die Fähre Gedser Rostock und die Fähre Puttgarden Rødby. Hier erfahren Sie, wie beide funktionieren – und reservieren Plätze für Personen, Auto, Motorrad und Fahrrad.

ca. 48 kmGedser–Rostock über die Kadetrinne
ca. 19 kmPuttgarden–Rødby über den Fehmarnbelt
2 KorridoreE55 über Falster, E47 über Lolland und Fehmarn
4 InselnSeeland, Falster, Lolland und Fehmarn

Zwei Überfahrten mit zwei verschiedenen Aufgaben

Auf der Karte sehen sie aus wie Alternativen. In der Praxis bedienen sie unterschiedliche Reisen: die eine ist ein kurzer Pendelverkehr im Minutentakt, die andere ein längerer Seeabschnitt, der die Deutschlandfahrt deutlich weiter südlich beginnen lässt.

Gedser Rostock
Falster, Dänemark → Mecklenburg, Deutschland
  • ca. 48 km
  • ca. 1 Std. 45 Min.
  • Korridor E55

Die direkte Seeverbindung von der Südspitze Falsters an die deutsche Ostseeküste. Wer die Fähre Rostock Gedser nimmt, landet in Warnemünde direkt an der A19 Richtung Berlin – ohne Umweg über Fehmarn und Holstein.

  • Erste Wahl für Fracht und für alle mit Ziel Berlin, Dresden oder Prag.
  • Lang genug für eine richtige Mahlzeit, ein Nickerchen oder eine Stunde Arbeit an Bord.
  • Beliebte Schlussetappe des Radwegs Berlin–Kopenhagen.
Zur Fähre Gedser–Rostock
Puttgarden Rødby
Fehmarn, Deutschland → Lolland, Dänemark
  • ca. 19 km
  • ca. 45 Min.
  • Korridor E47

Die klassische Vogelfluglinie – der kürzeste Sprung zwischen beiden Ländern. Die Fähre Rødby Puttgarden ist weniger eine Seereise als ein beweglicher Autobahnabschnitt, mit Abfahrten rund um die Uhr.

  • Die schnellste Variante für alle, die Hamburg ⇄ Kopenhagen fahren.
  • Kurze Überfahrt: Sie bleiben die ganze Zeit in der Nähe Ihres Fahrzeugdecks.
  • Auch nachts im Einsatz – passend für enge Zeitpläne.
Zur Fähre Puttgarden–Rødby

Warum es diese Überfahrten überhaupt gibt

Dänemark ist kein zusammenhängendes Land, sondern besteht aus rund vierhundert Inseln. Die für diese Reise entscheidenden liegen in einer Kette: Seeland, dann Falster, dann Lolland – und schließlich, schon auf deutscher Seite, Fehmarn. Brücken und Dämme verbinden die dänischen Inseln längst miteinander: die Storstrøm- und die Farøbrücke führen von Seeland nach Falster, der Guldborgsundtunnel und die Brücken weiter nach Lolland. Am südlichen Ende dieser Kette aber hört das Land einfach auf, und die Ostsee beginnt.

Jeder Straßenverkehr zwischen Skandinavien und Kontinentaleuropa muss diese Lücke lösen. Es gibt nur drei ehrliche Antworten. Man fährt den weiten Weg westlich über Jütland und die Landgrenze bei Flensburg – mehrere hundert Kilometer Umweg. Man wartet auf die feste Fehmarnbeltquerung, den Absenktunnel, der derzeit zwischen Rødbyhavn und Puttgarden entsteht. Oder man stellt sein Fahrzeug auf ein Schiff und lässt die Überfahrt die Arbeit machen.

Genau das ist der Zweck einer Fähre zwischen Gedser und Rostock oder zwischen Puttgarden und Rødby. Sie ist kein touristisches Extra, sondern ein Stück Verkehrsinfrastruktur, das zufällig schwimmt. Fiele sie aus, würden die Inseln südlich von Seeland von einer Durchgangsroute zur Sackgasse – und der Güterkorridor zwischen Schweden, Dänemark und Deutschland müsste sich quer durch ein halbes Land neu organisieren.

Was die Fähre tatsächlich befördert

Es liegt nahe, an Urlaubsverkehr zu denken und dort aufzuhören. Die tatsächliche Mischung an Bord ist breiter:

  • Güterverkehr. Auflieger und Lkw bringen nordische Waren nach Süden und kontinentale nach Norden. Für Speditionen ist der Seeabschnitt zugleich eine anrechenbare Lenkzeitunterbrechung – die Überfahrt ist keine verlorene Zeit.
  • Pendler und Regionalverkehr. Menschen mit Familie, Haus oder Arbeit auf beiden Seiten der Ostsee, für die die Fähre eine Buslinie ist, die zufällig 48 Kilometer lang ist.
  • Urlaubsverkehr. Familien auf dem Weg an die dänischen Küsten und nach Norwegen oder in Gegenrichtung nach Berlin und in die Alpen – meist mit Dachbox, Fahrradträger oder Wohnwagen.
  • Radfahrende. Der Radweg Berlin–Kopenhagen und der Ostseeküsten-Radweg brauchen diese Querung. Ein Fahrrad belegt nur einen Bruchteil der Fläche eines Autos – die Buchung ist klein und einfach, aber sie bleibt notwendig.
  • Motorradfahrende. Vor allem im Sommer, wenn die Überfahrt die natürliche Pause einer langen Tour ist.

Die Inseln, zwischen denen Sie reisen

Welche Insel Sie erreichen, entscheidet darüber, auf welche Autobahn Sie fahren – wichtiger, als es klingt.

Seeland (Sjælland)Dänemarks größte Insel mit Kopenhagen. Alles, was auf E47 und E55 nach Süden rollt, beginnt hier.
FalsterVon Seeland über die Storstrøm- und Farøbrücke erreichbar. Gedser liegt an der Südspitze – der südlichste Punkt Dänemarks – und ist der Hafen für die Überfahrt nach Rostock.
LollandWestlich von Falster und mit ihm verbunden. Rødbyhavn an der Südküste ist der Hafen für die Überfahrt nach Puttgarden und das dänische Ende des künftigen Fehmarnbelttunnels.
FehmarnDeutsch, in Schleswig-Holstein, über die Fehmarnsundbrücke mit dem Festland verbunden. Puttgarden an der Nordküste ist der deutsche Fährhafen.
Møn, Bogø, Askø und andereNicht auf der Fährroute selbst, aber oft der Grund, warum Reisende überhaupt in der Region sind: Kreidefelsen, dunkler Nachthimmel und stille Küstenstraßen in Reichweite beider Häfen.

Faustregel. Ist das Ziel Berlin, Dresden oder irgendetwas südöstlich davon, nehmen Sie die Fähre Gedser–Rostock. Geht es nach Hamburg, ins Ruhrgebiet, in die Niederlande oder sonst nach Südwesten, nehmen Sie Puttgarden–Rødby. Die längere Seezeit auf der Rostock-Route holen Sie auf der Straße wieder herein.

Was Sie hier reservieren können

Ein Formular für beide Richtungen auf beiden Routen – Gedser–Rostock, Rostock–Gedser, Puttgarden–Rødby und Rødby–Puttgarden – für Fußpassagiere und für Fahrzeuge.

Personen nach Altersgruppe

Erwachsene, Reisende unter 18 Jahren und Senioren ab 65 werden getrennt erfasst, denn das Alter entscheidet über Dokumente und über die Betreuung an Bord.

Fahrzeuge und Tonnage

Pkw, Wohnmobil, Motorrad, Fahrrad oder zu Fuß. Für alles mit Motor fragen wir Gesamtgewicht in Tonnen und Gesamtlänge ab – Deckfläche wird nach Gewichtsklasse und Metern vergeben, nicht nach Köpfen.

Termine und Richtung

Einfache Fahrt oder Hin- und Rückfahrt, Datum für beide Wege und ein Wunschzeitfenster. Reserviert wird pro Abfahrt – und Abfahrten an Sommerwochenenden und Feiertagen sind zuerst ausgebucht.

Zum Buchungsformular

Häufige Fragen

Welche Überfahrt ist insgesamt schneller?

Auf See ist Puttgarden–Rødby mit rund 45 Minuten gegenüber etwa 1 Stunde 45 klar schneller. „Schneller“ hängt aber vom Ziel ab: Ab Rostock stehen Sie schon mitten in Mecklenburg mit freier Fahrt Richtung Berlin, ab Puttgarden liegt noch ganz Schleswig-Holstein vor Ihnen. Für südöstliche Ziele gewinnt die Fähre Rostock–Gedser meist bei der Gesamtreisezeit.

Brauche ich eine Reservierung oder kann ich einfach zum Hafen fahren?

Die Fahrzeugkapazität ist begrenzt und das Deck wird nach Größe und Gewicht beladen. Nur eine Reservierung sichert einen Platz auf einer bestimmten Abfahrt. In ruhigen Zeiten gibt es oft freie Kapazität – an Sommerwochenenden, um Feiertage und in den Schulferien sind aber genau die Abfahrten zuerst voll, die man haben möchte.

Warum fragen Sie nach der Tonnage?

Weil ein Fahrzeugdeck in Tonnen und Metern geplant wird. Ein beladenes Wohnmobil kann das Dreifache eines Kleinwagens wiegen und dabei ähnlich viel Fläche belegen; die Stabilitätsrechnung des Schiffs hängt davon ab. Mit dem Gesamtgewicht – Fahrzeug samt Ladung, nicht das Leergewicht – wird Ihr Platz gleich richtig zugewiesen.

Kann ich ein Fahrrad ohne Auto mitnehmen?

Ja. Radfahrende werden auf beiden Routen befördert und in der Regel getrennt von der Autoschlange verladen. Wählen Sie „Fahrrad“ als Fahrzeugart und zählen Sie eine Person pro Rad. Auf dem Radweg Berlin–Kopenhagen ist diese Querung das Bindeglied zwischen deutschem und dänischem Abschnitt.

Was passiert, wenn der Fehmarnbelttunnel öffnet?

Der Absenktunnel zwischen Rødbyhavn und Puttgarden gibt der Vogelfluglinie eine feste Straßen- und Bahnverbindung und wird die Verkehrsströme der Region neu verteilen. Bis er in Betrieb ist, bleibt die Fähre die Verbindung auf diesem Korridor – und die Route Gedser–Rostock bedient den östlichen Korridor ohnehin unabhängig davon.