Warum es diese Überfahrten überhaupt gibt
Dänemark ist kein zusammenhängendes Land, sondern besteht aus rund vierhundert Inseln. Die für diese Reise entscheidenden liegen in einer Kette: Seeland, dann Falster, dann Lolland – und schließlich, schon auf deutscher Seite, Fehmarn. Brücken und Dämme verbinden die dänischen Inseln längst miteinander: die Storstrøm- und die Farøbrücke führen von Seeland nach Falster, der Guldborgsundtunnel und die Brücken weiter nach Lolland. Am südlichen Ende dieser Kette aber hört das Land einfach auf, und die Ostsee beginnt.
Jeder Straßenverkehr zwischen Skandinavien und Kontinentaleuropa muss diese Lücke lösen. Es gibt nur drei ehrliche Antworten. Man fährt den weiten Weg westlich über Jütland und die Landgrenze bei Flensburg – mehrere hundert Kilometer Umweg. Man wartet auf die feste Fehmarnbeltquerung, den Absenktunnel, der derzeit zwischen Rødbyhavn und Puttgarden entsteht. Oder man stellt sein Fahrzeug auf ein Schiff und lässt die Überfahrt die Arbeit machen.
Genau das ist der Zweck einer Fähre zwischen Gedser und Rostock oder zwischen Puttgarden und Rødby. Sie ist kein touristisches Extra, sondern ein Stück Verkehrsinfrastruktur, das zufällig schwimmt. Fiele sie aus, würden die Inseln südlich von Seeland von einer Durchgangsroute zur Sackgasse – und der Güterkorridor zwischen Schweden, Dänemark und Deutschland müsste sich quer durch ein halbes Land neu organisieren.
Was die Fähre tatsächlich befördert
Es liegt nahe, an Urlaubsverkehr zu denken und dort aufzuhören. Die tatsächliche Mischung an Bord ist breiter:
- Güterverkehr. Auflieger und Lkw bringen nordische Waren nach Süden und kontinentale nach Norden. Für Speditionen ist der Seeabschnitt zugleich eine anrechenbare Lenkzeitunterbrechung – die Überfahrt ist keine verlorene Zeit.
- Pendler und Regionalverkehr. Menschen mit Familie, Haus oder Arbeit auf beiden Seiten der Ostsee, für die die Fähre eine Buslinie ist, die zufällig 48 Kilometer lang ist.
- Urlaubsverkehr. Familien auf dem Weg an die dänischen Küsten und nach Norwegen oder in Gegenrichtung nach Berlin und in die Alpen – meist mit Dachbox, Fahrradträger oder Wohnwagen.
- Radfahrende. Der Radweg Berlin–Kopenhagen und der Ostseeküsten-Radweg brauchen diese Querung. Ein Fahrrad belegt nur einen Bruchteil der Fläche eines Autos – die Buchung ist klein und einfach, aber sie bleibt notwendig.
- Motorradfahrende. Vor allem im Sommer, wenn die Überfahrt die natürliche Pause einer langen Tour ist.
Die Inseln, zwischen denen Sie reisen
Welche Insel Sie erreichen, entscheidet darüber, auf welche Autobahn Sie fahren – wichtiger, als es klingt.
Faustregel. Ist das Ziel Berlin, Dresden oder irgendetwas südöstlich davon, nehmen Sie die Fähre Gedser–Rostock. Geht es nach Hamburg, ins Ruhrgebiet, in die Niederlande oder sonst nach Südwesten, nehmen Sie Puttgarden–Rødby. Die längere Seezeit auf der Rostock-Route holen Sie auf der Straße wieder herein.